31.7.2004 Pressemitteilung Stadtwerke Kiel - Sanierung des Wasserkraftwerkes II am Rosensee in Raisdorf

Wasserkraftwerk II

Der umfangreichen Sanierung des Wasserkraftwerks Raisdorf steht nichts mehr entgegen. In rund zwei Wochen wollen die Stadtwerke Kiel damit beginnen, ihr 1909 errichtetes Bauwerk an der Schwentine instand zu setzen. Dazu muss zunächst das Wasser des davor liegenden Rosensees für knapp vier Monate abgelassen werden. Für den Kieler Energieversorger ist das ein Bauprojekt, das weit mehr als die sonst üblichen Planungen und Maßnahmen erfordert: „Wir wollen mit der Sanierung vor allem auch unserer besonderen Verantwortung für die Region gerecht werden. Oberste Priorität haben der Schutz der Natur und das Gebot der Nachhaltigkeit“, sagt Arthur Bächle, Technischer Vorstand der Stadtwerke.

Um das denkmalgeschützte Kraftwerk zu erhalten, sind 95 Jahre nach seiner Inbetriebnahme umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig. Für rund 500.000 Euro sollen das Fundament und die Grundmauern sowie weitere tragende Teile instand gesetzt werden. Diese Arbeiten sind jedoch nur möglich, wenn das Wasser des Rosensees abgelassen wird. Um dabei das intakte Ökosystem rund um den Stausee so wenig wie möglich zu belasten, haben die Stadtwerke Kiel bereits vor Monaten begonnen, neben der Gemeinde Raisdorf auch eine Reihe von Natur- und Umweltschutzverbänden, Biologen der Christian Albrechts-Universität sowie den am Rosensee ansässigen Sportfischerverein Schwentine-Raisdorf an den Planungen zu beteiligen. Mit dem Abschluss eines Vertrages über die Sanierung zwischen dem Kreis Plön und den Stadtwerken Kiel steht dem Start des Bauprojektes nun nichts mehr im Wege.

Alle Absprachen sind getroffen – zum Wohle der Natur

Ursprünglich sollten den Arbeiten an dem oberen Wasserkraftwerk der Schwentine bereits im Juni beginnen. „Durch die intensive Abstimmung und die Einleitung einer ganzen Reihe von Schutzmaßnahmen hat sich die Sanierung verzögert. Nun aber können wir sicherstellen, dass die Tier- und Pflanzenwelt des Rosensees durch die zeitweilige Trockenlegung nicht aus dem Gleichgewicht gebracht wird“, sagt Bächle.

Wertvolle Aufschlüsse durch wissenschaftliche Betreuung

Dazu gehört vor allem, dass der Wasserspiegel des Rosensees so langsam und behutsam wie nur möglich abgesenkt wird. Hintergrund: Erste Untersuchungen durch das Zoologische Institut der Christian-Albrechts-Universität unter der Leitung von Prof. Heinz Brendelberger haben ergeben, dass sich am Grund des Sees eine ganze Reihe von Sedimentablagerungen gebildet hat. Durch ein langsames Absenken des Wasserspiegels kann verhindert werden, dass diese Ablagerungen in die Schwentine gespült werden und so deren ökologisches Gleichgewicht stören. Theoretisch ist es möglich, den Rosensee binnen weniger Stunden trocken zu legen. Die nun veranschlagte Zeit: zwei bis vier Wochen – je nach Witterung. Durch das langsame Ablassen bleibt auch genug Raum, um die im Rosensee lebenden Fische abzufischen. Das genaue Vorgehen ist mit dem Sportfischerverein abgestimmt. Die Stadtwerke beteiligen sich nach Ende der Arbeiten außerdem an einem Fisch-Neubesatz des Sees.
 

Gebot der Nachhaltigkeit zum Schutz der Natur

„Schon jetzt hat uns die wissenschaftliche Unterstützung wertvolle Informationen für unser Vorgehen geliefert“, erklärt Bächle. Damit das gesamte Sanierungsprojekt noch besser auf die natürlichen Gegebenheiten abgestimmt werden kann, werden die Biologen der Kieler Universität die gesamte Bauphase begleiten. Bächle: „Wir verfolgen das Gebot der Nachhaltigkeit und erhoffen uns schon jetzt immer weitere Aufschlüsse, die uns helfen, bei diesem und auch bei zukünftigen Projekten im Einklang mit der Natur zu arbeiten.“ In enger Absprache mit der Universität Kiel soll aus diesem Grund auch eine Diplomarbeit den Fortgang der Maßnahmen dokumentieren.

Selbstverständlich: Brutcontainer, Zivi-Stelle, Umweltpädagogik

Doch das ist nicht die einzige Verpflichtung, die sich das Kieler Unternehmen im Zuge der Sanierungsmaßnahmen selber aufgelegt hat. Zum Schutz des am Rosensee heimischen Eisvogels haben die Stadtwerke bereits vor Wochen zwei so genannte „Eisvogel-Brutcontainer“ in unmittelbarer Nähe des Stausees aufgestellt. Die natürlich gestalteten Brutstätten sind von den Vögeln bereits gut angenommen worden. Daneben arbeiten die Stadtwerke weiterhin eng mit dem Verein „Koordination Natur im Kreis“, kurz „knik“ genannt, zusammen. Der 1988 gegründete Natur- und Umweltschutzverein unterhält sein „knik-hus“ inmitten des Raisdorfer Schwentineparks in unmittelbarer Nähe des Wasserkraftwerks. „knik“ wird das Trockenlegen des Rosensees aus umweltpädagogischer Sicht begleiten. Geplant ist eine Ausstellung über das Ökosystem des Schwentinetals, die nach den Sanierungsarbeiten im „knik-hus“ die bereits bestehende Sammlung ergänzen soll. Um Materialien für die Ausstellung zusammen tragen zu können, finanzieren die Stadtwerke eigens einen Zivildienstleistenden, der das Bauprojekt ab August begleiten wird.
 

Baubeginn im August, Fertigstellung im Dezember

Darüber hinaus haben sich die Stadtwerke bereit erklärt, eine Ausgleichzahlung in Höhe von 35.000 Euro zu leisten. Die Mittel sollen Feuchtbiotopen im Kreisgebiet zugute kommen. „Wir sind froh, dass sich die Sanierung unseres Kraftwerkes zu einem so umfangreichen Projekt entwickelt hat, dass nun auch eine ganze Reihe von Partnern davon profitieren kann“, sagt Bächle. Bereits Mitte August sollen die Arbeiten am Wasserkraftwerk beginnen – zunächst an den frei zugänglichen Stellen. Erst Mitte September wird – auch mit Rücksicht auf die Wassersportler der Schwentine und Naherholungssuchende – mit dem Ablassen des Rosensees begonnen. „Wir sind zuversichtlich“, so Bächle, „dass die Instandsetzung bereits im Dezember abgeschlossen sein wird.“

Engagement für die Region

Dass die Stadtwerke nicht nur die Kosten für die Instandhaltung des denkmalgeschützten Kraftwerkes tragen, sondern sich darüber hinaus im Zuge der Baumaßnahmen auch für den Natur- und Umweltschutz engagieren, ist für den Kieler Energieversorger selbstverständlich. „Als ein regionales Unternehmen“, sagt Bächle, „fühlen wir uns auch eng mit der Region verbunden.“

Mit ihren 1.300 Mitarbeitern wollten die Stadtwerke nicht nur Verantwortung für ihre Kunden übernehmen, sondern sich auch für den Schutz und den Erhalt der Umwelt einsetzen. Bächle: „Das Wasserkraftwerk in der Schwentine produziert nicht nur saubere und schadstofffreie Energie, sondern fügt sich dabei auch noch perfekt in die natürliche Umgebung ein. Diese umweltfreundliche Energiegewinnung in einem ökologischen Gleichgewicht wollen wir mit der Sanierung des Kraftwerkes auch für die Zukunft sichern.“

 Stadtwerke Kiel
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