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  • Zeitreise: Raisdorf von 1949 bis heute!

Damals, während der Bauperiode, eröffnete Zimmermeister Haß ein Baugeschäft, die kleineren Hökereien genügten nicht mehr; zwei Kolo­nialwarengeschäfte, Limburg und Schmidt, kamen hinzu, und sogar ein Ladenschlachter (Sell) fand eine gute Existenz. Nach dem ersten Weltkriege nahm die Zahl der Kaufleute (Konsumverein, Ibelshäuser) und der Handwerker noch weiter zu: ein Elektriker, ein Tischler, ein Maurer, ein Schlosser, ein Friseur und eine Schneiderin fanden in Raisdorf, wenn auch nicht gerade einen „goldenen" so doch einen auskömmlichen Boden für ihr Handwerk. Da Raisdorf, im ganzen genommen, einen recht fruchtbaren Boden hat, hat und die wachsende Großstadt Kiel immer mehr als Absatzgebiet für Gärtnerprodukte in Frage kam, konnten mehrere Gartenbaubetriebe, von denen Heinrich Gaye seit 1895 der älteste ist, lohnenden Verdienst finden.

Die letzten Kriege sind auch an Raisdorf nicht spurlos vorübergegangen. Schon während des „Kosakenwinters" 1813—14 hat unser Dorf stark gelitten. Kurz vor der Schlacht bei Sehestedt am 10. Dezember 1813 kamen Teile der verbündeten Truppen des schwedischen Kronprinzen Bernadotte — darunter auch Russen — durch Raisdorf. „Im ganzen waren die Kosaken gutmütige, freundliche Kerls, kamen sie in ein Haus, dann hieß es: „Müder, Schnaps!" Erhielten sie diesen und Hafer, Häcksel und Heu für ihre Pferde, so waren sie zufrieden." — So erzählt ein Chronist jener Tage. 1906 entdeckte der Bauer Heinrich Wrigge in der Kiesgrube am Neuwührener Weg etwa einen Meter unter der Erdoberfläche fünf schwedische Offiziersgräber; eins von den darin aufgefundenen Schwertern wird heute im Museum für vaterländische Altertümer in Kiel aufbewahrt.

Auch der erste Weltkrieg schlug tiefe Wunden; mehr als 30 Namen von Männern, die ihr Leben für Deutschland hingaben, weist das Ehrendenkmal an der Nordostecke des Dorfplatzes auf.

Während des letzten Krieges brannten zehn Häuser ab, und nicht weniger als 100 wurden mehr oder weniger schwer beschädigt. Es fielen in der Raisdorfer Feldmark etwa 1000 Spreng- und ungezählte Brand- und Phosphor-Bomben. In der Zeit nach 1945 vergrößerte sich die Zahl der Einwohner unseres Dorfes durch die Heimatvertriebenen aus Ost- und Westpreußen, Schlesien und Pommern von 800 auf 1815. Die letzten Jahre haben auf vielem Gebieten eine leichte Besserung gebracht, und schon regt sich in der Bevölkerung auch wieder die Lust zum Bauen; einige kleinere Bauvorhaben sind bereits zu Ende geführt, und die Baugenossenschaft der Reichsbundes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen plant auf dem Gelände südlich der Straße nach Villa Fernsicht den Bau von über 260 Wohnungen.

Was aber die Welt sonst morgen für Raisdorf bringen mag, wissen wir nicht. Die Zukunft kommt nur zögernd hergezogen, die Gegenwart fliegt pfeilschnell vorüber und ist nicht immer freundlich gesinnt, doch „ewig still steht die Vergangenheit". Aus ihr müssen wir lernen, und nur, wenn wir die Vergangenheit mit Ehrfurcht betrachten, werden wir die Zukunft meistern.

Wilhelm Johannsen

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